13.04.2026, 16:25
Du weißt, wo wir herkommen, kommen andere nur hin
Um vom Dach zu springen.
Das Leben ist unfair, egal wie man es dreht oder wendet. Wie soll es auch fair sein, wenn sich alles nur darum dreht, wie nah am Äquator man geboren wird und wie reich die Eltern bereits sind? Wie soll sowas wie Fairness bestehen, wenn nicht dein Potential über deine Zukunft entscheidet, sondern dein Glück in der Gebrutenlotterie? Und jetzt kommt mir nicht mit diesem Bullshit, das ihr jemanden kennt der jemanden kennt der mal jemanden auf Tinder kennen gelernt hat und dessen Schwester ihre Freundin hätte eine Tante die mal beim Zahnarzt mit jemandem im Wartezimmer gesessen hätte die mit jemandem zur Schule gegangen wäre, und dieser jemand hätte es doch auch trotz widriger Umstände geschafft, Reich von Erfolg und Geld zu werden. Als wäre das nicht nur eine Ausnahme, die die Regel bestätigt. Als würde sich nicht der Großteil der Arbeiterklasse für einen Hungerlohn zu Tode arbeiten. Als würde das System nicht Kinder und Mütter und Alte und Kranke und Einwanderer, alle, die nicht reich und weiß und männlich sind, vergessen. Ich weiß wovon ich rede, ich gehöre dazu. Die Tochter einer Einwanderin die drei Kinder von drei Kerlen hat, keinen davon halten konnte und bis heute nicht richtig Englisch spricht. Hergelockt mit dem Versprechen einer besseren Zukunft, dem Traum alles erreichen zu können, und dann so tief gefallen, dass selbst Lucifer vor ihr den Hut zieht.
Sie sagten zu viel falsche Freunde, zu viel falscher Umgang,
Nur was keiner sah, war, dass sonst niemand da war.
Die fragwürdigen Kerle vom Straßenstrich und die harten Drogen meiner Mutter gehörten für mich genauso zu meiner Jugend und Kindheit wie meine Gespräche mit CPS und Aufenthalte in Pflegefamilien oder Einrichtungen. Anfangs sanft und einfühlsam, ein Versuch, eine süße, kleine Seele zu retten, solange man mich mit den dunklen Locken und großen, traurigen Augen noch gut verkaufen konnte. Bis die Ausbrüche kamen, das Weglaufen, das Weinen und Schreien, um mich schlagen, beißen, der Terror. Ich wollte nur nach Hause, aber zu Hause konnte ich nicht sein. Meine Mutter wollte mich nicht, mein Vater wollte mich nicht, und die Pflegefamilien wollten mich bald auch nicht mehr. Ich fiel durch das System, durch das Raster, das meiner Meinung nach nur süße weiße Babys nicht durchfallen lässt, und wurde einfach am Boden liegen gelassen. Aber wenigstens war ich hier unten nicht mehr allein. Hier, im letzten Dreck der Menschheit, unter den Fußsohlen der Gesellschaft, habe ich Freunde gefunden. Familie über Blutsbande hinaus. Menschen, für die ich sterben würde, wenn es sein müsste, denen ich blind vertraue. Und die mich zu den Dingen geführt haben, die wirklich wichtig sind. Der Kampf gegen die ewig anhaltende Macht des weißen Patriarchats. Gegen den Kapitalismus, Unterdrückung, soziale Ungerechtigkeit. Gegen all den Scheiß, den wir jeden Tag ertragen müssen, jeder in seiner eigenen Abstufung. Den Scheiß, dem wir alle viel zu lange machtlos ausgeliefert waren, der uns wütend gemacht hat, der dazu geführt hat, dass wir nicht mehr nur mit Worten zurückschlagen. Wir sind nicht immer friedlich und legal, aber bisher mussten keine Menschen leiden. Nicht körperlich. Wir sind besser als die, auch wenn ich mich immer wieder frage, ob es nicht an der Zeit ist, die moralische Überlegenheit abzulegen. Man muss nur in die Weltgeschichte blicken, um zu erkennen, dass echte Veränderung oft Gewaltvoll erzwungen werden musste. Vielleicht muss sich nur irgendwer opfern und den ersten Stein werfen.
Und alles in deiner Hand muss zu einer Waffe werden.
Meine Schule habe ich nie abgeschlossen. Warum auch? Was bringt mir Integralrechnung, wenn ich eh niemals eine Fläche besitzen werde, die ich berechnen müsste? Ich kann lieber froh sein, eine Wohnung zu haben, in der ich mich nicht nur um mich selbst drehen kann und die mich monatlich nicht meine Nieren kostet. Um schuften zu gehen, brauche ich den Scheiß auch nicht - wer gute, ehrliche Arbeit verrichten kann, braucht nicht unbedingt eine Ausbildung. Nur starke Arme und die Fähigkeit, einer Anweisung zu folgen. Ambitionen, seine Sache richtig machen zu wollen. Keiner fragt genauer nach, wenn ich mich dafür anbiete, auf irgendeinem Bau Steine zu schleppen oder an der Tanke an der Kasse zu stehen. Niemand erwartet mehr von mir, als dass ich meine Arbeit vernünftig mache. Da bleibt dann mehr Zeit für spaßige Sachen: Koch- und Backshows bingen, damit ich neue Rezepte lerne, die ich liebend gerne mal ausprobieren würde, aber nicht kann, weil ich selten das Geld für mehr als Toast und Sandwichkäse habe. Bücher über klassische Kunst aus der Bibliothek leihen und stundenlang von den Gemälden lesen, die ich niemals in echt sehen werde und über die niemand mit mir spricht, weil mich keiner für Gebildet genug hält. Oder im Internet Anleitungen für kleine chemische Experimente sammeln, die ich später umsetzen kann. Ein Molotow für die nächste Demo, ein bisschen Säure um Metall spröde zu machen, zwei unscheinbare Flüssigkeiten vermischen um mit den Dämpfen des Ergebnisses einen gestandenen Mann aus den Latschen zu hauen. Von allen Dingen, die mich interessieren, hat mich die Chemie am meisten gepackt, der Fakt, dass sie überall ist, sich auf so viele Dinge anwenden lässt und trotzdem von so vielen unterschätzt wird, fasziniert mich jeden Tag von neuem. Aber für all das brauche ich keine Schulbildung, niemand der mir sagt, das auch mir sowieso nichts wird. Nur Menschenverstand.
Nur das Herz, das Herz, das Herz,
das Herz wird nicht besser. Es wird immer und immer nur härter.
Am Ende bin ich wie ein in die Ecke getriebener Hund. Ein Tier, dessen angsterfülltes Knurren und Schnappen für gesteigertes Selbstbewusstsein fehlinterpretiert werden. Eine Maske, die mich unsympathisch wirken lässt, die ich mir aber zu eigenen gemacht habe, weil es leichter ist sich einzureden, dass Leute mich nicht mögen, weil ich das so will und nicht, weil man mich chronisch missversteht. Weil ich es einfach nicht schaffe, dieselbe Sprache wie alle anderen zu sprechen. Wie man nicht komisch wirkt - nicht auf die lustig-komische Art, sondern auf die merkwürdig-komische Art - wenn ich versuche etwas zu erzählen. Wenn ich mich wohl fühle, auftaue, laut und präsent werde, zu viele Worte auf einmal spreche und vergesse, wie das Ding mit dem Augenkontakt und dem Abwarten funktionierte. Danach holt mich die Angst wieder ein, das erdrückende Gefühl, niemals geliebt zu werden. Die Alpträume vom alleine sein. Der feste Entschluss, zu schweigen, zu verschwinden, nicht aufzufallen und der böse, bissige Hund zu bleiben, vor dem alle Angst haben. Einen Vorteil hat es ja doch: ich habe gelernt, unauffällig zu sein. In meinem Verhalten, meiner Kleidung, meiner Körpersprache. In einer Menge zu verschwinden fällt mir leicht, genauso wie den Bullen aus dem Weg zu gehen. Und wenn sie mich doch mal erwischen, weiß ich, wie ich abhauen muss. Das Bouldern hilft mir dabei. Aber irgendwie schmeckt dieser Gewinn bitter, wenn ich an die Einsamkeit denke, die mich mit ihm verbindet.
HARDFACTS # Muriel Vinshaw # 26 Jahre # looks like Odessa A’Zion # Job noch offen
Was suche ich für Muriel? ALLES. Echte Freunde, die sie lieben und ihr helfen wollen. Falsche Freunde, die sie weiter in die linksextremistische Szene ziehen wollen. Feinde, die sie bei der Polizei und Co. sowie bei reichen Personen wahrscheinlich bereits gesammelt hat. EINEN JOB, bitte, die braucht ihre Bude mit Feuerleiter noch. Sie hat insgesamt vier Halbgeschwister, zwei ältere Brüder die sie mit ihrer Mutter verbinden und die ähnlich bescheiden groß geworden sind wie sie, und zwei Schwestern auf der Seite ihres Vaters, die ziemlich gutbürgerlich groß geworden sein sollten. Außerdem auf lange Sicht etwas romantisches, was aber für mich für den Anfang nicht den Hauptfokus besitzt und was sich auch entwickeln darf, wenn jemand daran Interesse hätte. Ich mag Pairs, aber sie sind nicht mein einziges Interesse beim RPG. Viel wichtiger sind mir alle zwischenmenschlichen Beziehungen, die meine Charakterentwicklung vorantreiben. Langfristige Plots ziehe ich einfachen Begegnungen ohne richtiges Ziel vor, allgemein fallen mir Szenen und Verbindungen etwas leichter, die eine grobe Geschichte verfolgen und wir beim Rest einfach mal gucken, was alles schiefgehen kann.


